Eine lange Nacht

Die Behörden hatten dieses Mal keinen konkreten Zeitpunkt für die Abholung genannt, sondern angegeben, dass sich unser Freund A. für seine Abschiebung nach Frankreich die gesamte Nacht bereit halten solle. Eine direkte Reaktion auf die zwei  zuvor erfolgreich verhinderten Abschiebungen im Januar und Februar, die in den frühen Morgenstuden verhindert wurden.
Doch dies hielt Menschen nicht davon ab, trotz Regen gegen diese menschenunwürdige Praxis und die Kriminalisierung von Migration zu demonstrieren. Über 80 Menschen kamen schon in den Abendstunden spontan zusammen und verzichteten auf eine Nacht Schlaf, um für ihren Freund A. da zu sein. A. war abfahrtsbereit, als die Polizei gegen 3:45 Uhr zur Abschiebung vorfuhr. Die friedlich protestierenden Menschen unterhielten sich noch eine Weile mit den vier Beamt_innen, die jedoch nicht lange blieben.
Nicht erst vor dem Hintergrund, dass erst die vor zwei Wochen veröffentlichten Videos von gewalttätigen Polizisten gegenüber Geflüchteten in Calais deutlich machen, wie die dortigen Zustände sind.  Viele französische Lager gleichen Slums und werden in kurzen Abständen von der Polizei geräumt, ohne irgendwelche Lösungen anzubieten.
So wurde die Polizei zwar zu einer Tasse nächtlichem Kaffee eingeladen, mehr gab’s für die Beamten jedoch nicht zu holen.
Im Flugzeug nach Toulouse fehlte am heutigen Morgen eine Person, die dort gegen ihren Willen hätte abgeschoben werden sollen. Stattdessen wurde zum nun dritten Mal ein entschlossenes Zeichen gegen Abschiebung gesetzt – und gegen das ungerechte europäische Asylsystem.
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Presseauszüge:
„Wir treten ein“-Kampagne von PRO ASYL
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Frühmorgens um halb fünf…

Ganz schnell waren es 200 Menschen, die sich ab 4:30 Uhr morgens in Gießen versammelten.
Wer also dachte, eine Abschiebung dadurch zu erleichtern, indem der Zeitpunkt ganz einfach in die unmenschlichsten Morgenstunden gelegt wird, der/die hatte sich heute ganz gewiss getäuscht.
Die solidarischen Menschen hatten sich vor der Unterkunft in der Neustadt versammelt, um gegen die drohende Abschiebung unseres Freundes M. aus Eritrea zu protestieren.
Die geplante Abschiebung nach Italien brachte so unglaublich viele Menschen auf die Straße, da bekannt ist, dass Geflüchtete dort völliger Perspektivlosigkeit, Obdachlosigkeit und Armut gegenüberstehen. M. sprach mit den vielen anwesenden Journalist_innen und teilte offen seine Angst vor der drohenden Abschiebung wie auch seine Hoffnung, hier die Schule besuchen zu können.
Schnell war klar, dass die Beamten der Polizei unverrichteter Dinge weiterziehen mussten. Und so gaben sich damit zufrieden, der bunten Menge zuzusehen, die ihren friedlichen Protest mit Ukulele und Gesang unterstreichte. Ein schönes Bild – schon unsere zweite gemeinsam verhinderte Abschiebung im letzten Monat.

Presseauszüge:
Videobericht von Hessencam

Bericht und Audiodatei vom Hessischen Rundfunk

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Willkommen beim Netzwerk Gegen Abschiebung Marburg!

Wir sind noch ein recht junges Netzwerk, doch es ist in kurzer Zeit schon viel passiert.
Erfahre, wer wir sind, wofür wir stehen und über die bisher verhinderten Abschiebungen – wir freuen uns zudem über jede Unterstützung!

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Entstehung des Netzwerks

Gemeinsam wurde erstmalig in unserer Gegend eine Abschiebung verhindert.
Spontan trafen sich über 70 Menschen, um sich mit unserem Freund aus Eritrea zu solidarisieren und gegen ein ungerechtes Asylsystem in Europa zu protestieren.
Die Fluchtwege, also wer wann welches Land zuerst betritt, scheinen als wichtiger zu gelten als die Fluchtgründe, die Menschen haben, ihre Heimat verlassen zu müssen (Dublin-II und -III-Verordnung).

Es gelang erfolgreich, diese eine Abschiebung zu verhindern. Doch natürlich konnte das nur ein erster Schritt sein.
Das Netzwerk gegen Abschiebung war entstanden.

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